Neu im Handel – GISABURO SUGII COLLECTION

Gisaburo Sugii wurde 1940 in Numazu in der Präfektur Shizuoka geboren.

Der berufliche Werdegang dieses Mannes, der als einer der Gründerväter des Anime gilt, liest sich wie eine Geschichte der Anime-Industrie.

Obwohl Sugii mit seinen Beiträgen zu den Franchises „Street Fighter“, „Lupin III“ und „Captain Tsubasa“, nicht zu vergessen den sportlastigen Mitsuru Adachi-Serien „Touch“, „Nine“ und „Hiatari Ryoko“, bewiesen hat, dass er spannende Action packend  umsetzen kann, gilt er vor allem als ein Meister der leisen Töne, der subtilen Erzählkunst, deren gemäßigtes Tempo ebenso bewusst gewählt ist wie die Entscheidung, was sich im Bild bewegt und was nicht:

„Bei der Animation muss sich nicht alles bewegen“, wird Sugii in seiner Filmbiographie „Animation Maestro  Gisaburo“ zitiert. Die Bewegung kann manchmal ausschließlich durch die Kamera erfolgen, die über eine Szene schwenkt, in sie hinein oder heraus zoomt, und dient dazu, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche zu richten.

Techniken wie diese tragen zu der gesetzten, fast hypnotischen Bildsprache bei, die Werke wie „Night on the Galactic Railroad“, „Genji Monogatari“ und „Das Leben des Budori Gusko“, zu einem eindrucksvollen, tief gehenden Filmerlebnis werden lässt.

  • 1958 begann er bei Toei Animation zu arbeiten, wo er unter anderem als Trickzeichner an den Filmen „Hakujaden“ („Die weiße Schlange“, 1958) und „Saiyuki“ (1960) beschäftigt war. Sein Lehrmeister war Yasuo Otsuka, der u.a. auch die späteren Gründer von Studio Ghibli – Hayao Miyazaki und Isao Takahata – ausbildete.
  • 1961 folgte er seinem ehemaligen Kollegen Osamu Tezuka zu dessen neu gegründeter Produktionsgesellschaft Mushi Pro., wo er unter anderem als Produzent und Animationsregisseur von „Tetsuwan Atomu“ („Astro Boy“, 1963 – 1966), der ersten Anime-TV-Serie überhaupt, tätig war. Bei Mushi Pro. entstanden viele, heute klassische TV-Animes, darunter sogar die ersten Folgen von „Wickie“ (1974), aber auch – teils experimentelle – Zeichentrickfilme für ein älteres Publikum (u.a. „Belladonna of Sadness – Die Tragödie der Belladonna“, 1973, wo Sugii Animationsregie führte). Viele spätere große Namen der Anime-Industrie arbeiteten damals dort.
  • 1969 gründete Gisaburo Sugii gemeinsam mit Tashiro Atsumi und einigen anderen Kollegen das eigene Studio Group TAC, das weiterhin an verschiedenen Produktionen von Mushi Pro. mitwirkte.
  • 1974 führte Sugii Regie bei seinem ersten abendfüllenden Kino-Anime „Jakku to Mame no Ki“ („Tom, Crosby und die Mäusebrigade“).
  • Danach unterbrach er seine Karriere für zehn Jahre, um zu reisen. In den frühen 80er Jahren führte seine Begeisterung für die Mangas von Mitsuru Adachi (in Deutschland bekannt durch die TV-Serie„Miyuki“) dazu, dass er in die Anime-Produktion zurückkehrte und an mehreren Verfilmungen von Werken Adachis mitwirkte („Nine“, „Touch“, „Hiatari Ryoko“).
  • 1985 wurde seine Anime-Adaption von Kenji Miyazawas „Ginga Tetsudo no Yoru“ („Night on the Galactic Railroad“) mit dem Noburō Ōfuji Award des Mainichi Film Concours für herausragende Leistungen und Innovation im japanischen Zeichentrickfilm 1985 ausgezeichnet. Sie gilt heute als „einer der besten Animes aller Zeiten, basierend auf einem der besten Bücher aller Zeiten“.
  • 1987 setzte Sugii mit „Genji Monogatari“ („Die Geschichte von Prinz Genji“) den klassischen Roman von Murasaki Shikibu erstmals in einen Anime um; der Film entstand anlässlich des 100. Jubiläums der Asahi Shinbun sowie des jeweils 30. Jubiläums von TV Asashi und Herald Films.
  • 2007 wurde erstmals der Japanese Academy Award in der Kategorie Bester Animationsfilm Neben Mamoru Hosoda („Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“) und Goro Miyazaki für Studio Ghibli („Chroniken von Erdsee“) war auch Gisaburo Sugii mit „Arashi no Yoru ni“ für diese ehrenvolle Auszeichnung nominiert.
  • 2010 wurde Gisaburo Sugii von der Agency of Cultural Affairs mit einem Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
  • 2012 wurde der Dokumentarfilm „Animation Maestro Gisaburo“ produziert. Dass einem Anime-Schaffenden eine Dokumentation oder Filmbiographie gewidmet wird, ist eine seltene Auszeichnung, die bisher nur wenigen Großen der Branche zuteil wurde, neben Gisaburo Sugii Osamu Tezuka und Hayao Miyazaki.
  • Im gleichen Jahr erschien mit „Budori Gusko no Denki“ („Das Leben des Budori Gusko“) die mit dem Excellence Award des Japan Media Arts Festival ausgezeichnete und für mehrere weitere Auszeichnungen nominierte Verfilmung eines weiteren Werkes von Kenji Miyazawa, eine erneute Kollaboration von Sugii mit Hiroshi Masumura, dem Charakterdesigner von „Night on the Galactic Railroad“.

Auch das Sitges Film Festival 2012 stand ganz im Zeichen Sugiis, der sowohl mit„Animation Maestro Gisaburo“ als auch mit drei seiner Werke im Festivalprogramm der Anima´t-Sektion